EBBA ROHWEDER
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Historisches Gedächtnis - Spanien
2001-2004


Am 18. Juli 1936 begann der spanische Bürgerkrieg, ausgelöst durch einen Militärputsch gegen die frei gewählte 2. Republik, und endete am 1. April 1939. Es folgten die Jahre der Diktatur von Francisco Franco bis zu seinem Tod im Jahre 1975. Es gegann eine Übergangszeit - die sogenannte transición, bis am 15. Juni 1977 die ersten freien Parlamentswahlen stattfanden. Eine neue Verfassung wurde erarbeitet und in einem Volksentscheid am 29. Dezember 1978 verabschiedet.

Unter dem Namen Memoria Histórica (dt.: Historisches Gedächtnis) findet seitdem der Versuch einer Erforschung der Verbrechen während des Bürgerkrieges und der Francodiktatur statt.

FRAUEN GEGEN DEN FRANKISMUS
2001 und 2004 produzierte ich zwei Werke im elektronischen Studio LIEM des Museo Reina Sofía Madrid in Zusammenarbeit mit der Historikerin Fernanda Romeu Alfaro, Autorin des Buches El Silencio Roto - Mujeres contra el Franquismo (dt.: Die gebrochene Stille - Frauen gegen den Franquismus), das auf mündlichen Zeugnissen von verfolgten Republikanerinnen beruht.


SEHNSÜCHTE, STEINE, HIMMEL IN FETZEN

Republikanische Frauen im Widerstand, 2002
Elektroakustische Klanginstallation und Interviews
Uraufführung: 2003, Fakultät der Schönen Künste, Cuenca


HIMMEL MIT BLAUEN FISCHEN - Die dreizehn Rosen

Elektroakustische Musik und Originaldokumente, 2003
Stimmen: Ángeles García-Madrid, Eva Varela Lasheras und Ana Hernández
Cello: Anna Carewe
Premiere: 2004, Entredos, Madrid. Ausgestrahlt auf RNE Radio Clásica, 2004.
Veröffentlicht auf CD im Jahr 2004



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Facultad de Las Bellas Artes Cuenca - Präsentation des Buches El Silencia Roto - Mujeres contra el franquismo der Autorin Fernanda Romeu, El Viejo Topo, 2002

 

fotoarticuloCuenca

LasTreceRosas
Cover der CD CIELO DE PECES AZULES - Las Trece Rosas, 2004

Im Jahr 2001 organisierte ich mir einen mehrwöchigen Aufenthalt im elektronischen Studio LIEM des Museo Reina Sofía in Madrid. Irmgard Konrad, eine Überlebende des KZ Ravensbrück, hatte mir bereits erzählt, dass ihr Bruder im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft hatte und in der Schlacht am Ebro fiel.


Ich informierte mich in einer Frauenbuchhandlung in Madrid und wurde mit Fernanda Romeu Alfaro, Historikerin und Autorin des Buches El Silencio Roto - Mujeres contra el Franquismo (Gebrochenes Schweigen - Frauen gegen den Franquismus), in Kontakt gebracht. Da wir uns beide für mündliche Zeugnisse und insbesondere für die Stimmen von Frauen interessieren, haben wir bei der Produktion von zwei Werken zusammengearbeitet, in denen experimentelle Musik mit Originaldokumenten, die von Fernanda Romeu Alfaro in ihre Buch gesammelt und veröffentlicht worden waren, kombinierten.


SEHNSÜCHTE, STEINE, HIMMEL IN FETZEN
- Republikanische Frauen im Widerstand ist eine Installation mit räumlicher elektroakustischer Komposition und Interviews. Dieses Werk wurde 2003 an der Fakultät für Schöne Künste in Cuenca im Rahmen einer Veranstaltung zur Vorstellung des Buches El Silencio Roto von Fernanda Romeu uraufgeführt.


Unsere zweite Zusammenarbeit basiert auf Originaldokumenten, die in ihrem Buch El Silencio Roto veröffentlicht wurden: die letzten Briefe aus dem Gefängnis von Las Ventas von Julita Conesa, einer der Dreizehn Rosen, die kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs im August 1939 hingerichtet wurde.


Das Hörspiel HIMMEL MIT BLAUEN FISCHEN - Die dreizehn Rosen verwebt diese Briefe, die von der Schauspielerin Eva Varela Lasheras gelesen werden, mit einem Gedicht der Zellengenossin Rafaela González, das von Ana Hernández gesprochen wird, und einem aktuellen Interview mit der Zeitzeugin Ángeles García Madrid mit einer elektroakustischen Komposition.


Dieses Werk wurde am 14. April 2004, am Jahrestag der II. Republik, in Entredos in Madrid in Anwesenheit zahlreicher Zeitzeuginnen des antifranquistischen Widerstands uraufgeführt. Im selben Jahr wurde das Stück im RNE Radio Clásica ausgestrahlt, in La Caracola in Lavapiés aufgeführt und als CD veröffentlicht.

 






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Musikalische Avantgarde
Ebba Rohweder hat diese musikalische Installation “Deseos, Piedras, Cielo a Jirones” (Wünsche, Steine, Himmel in Fetzen) ,basierend auf dem Werk von Romeu,  komponiert, indem sie die modernsten elektronischen Techniken benutzt. Teil der Installation bilden 6 von Romeu gemachte Interviews, die simultan und kontinuierlich mit herzzerreißenden und bewegenden Klängen von 10 Lautsprechern (im Saal auf Ohrenhöhe der Besucher angebracht) ausgestrahlt werden. Die Basis der elektronischen Musik sind analoge Querflöten- und Stimmklänge, die Rohweder  mit Hilfe des Computers derart bearbeitet hat, dass in einigen Momenten die Herkunft der Klänge wiederzuerkennen  ist.

Das Werk wurde 2001 am LIEM-CDMC in Madrid aufgenommen und die Mischung des Raumklang 2002 in der Universität Berlin

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Sábado 8 de Marzo de 2003

Fernanda Romeu: “Die Musik und das Buch gehen mittels desselben Gefühls sehr eng zusammen.”

Die angesehene Historikerin präsentierte das Buch “Silencio Roto” (Gebrochene Stille) innerhalb der Veranstaltungen der Universität von Cuenca in der Fakultät Bellas Artes anlässlich der Feier zum Internationalen Frauentag.

Die deutsche Komponistin Ebba Rohweder stellte das musikalische Werk vor, das auf den Interviews basiert, die Fernanda Romeu in den letzten 20 Jahren aufgenommen hat.

“Ich habe die letzten 20 Jahre der Forschung über den antifranquistischen Widerstand von Frauen gewidmet, um damit das historische Gedächtnis dieser Periode wiederzuentdecken, um die Rolle der Frau einzufordern, die der Generation der ganz jungen bekannt sein sollte,” sagt Fernanda Romeu während der Präsentation ihres Buches “El Silencio Roto” (Die Gebrochene Stille) in Cuenca.

Die Historikerin, Spezialistin der franquistischen Epoche, wurde begleitet von der deutschen Komponistin Ebba Rohweder, die ein Konzert ihres musikalischen elektroakustischen Werkes darbot, welches auf der Lektüre des Buches von Romeu basiert.

“Unser Treffen war nicht zufällig,” sagte Fernanda Romeu in Bezug auf die deutsche Komponistin, “obwohl sie von weit her kommt; seit sie mein Werk kennt, interessierte sie sich für die Vision, die ich über die unterdrückten und verschwiegenen  Frauen durch die Diktatur anbot.

 

Es stimmte überein, dass Ebba auch über dieselbe Angelegenheit arbeitet, in der Angelegenheit des Konzentrationslager Ravensbrück, und von daher kommt unsere Zusammenarbeit und der gemeinsame Einsatz in beiden Arbeiten. Über mein Buch “Silencio Roto” hat Ebba ein Werk,  oder besser gesagt, eine avantgardistische musikalische Installation komponiert mit dem Titel “Deseos, Piedras, Cielo a Jirones” (Wünsche, Steine, Himmel in Fetzen), in der ihre Gefühle gestaltet sind, nachdem sie mein Buch gelesen hatte.”

Fernanda Romeu erklärt das Warum des Titels ihres Buches, argumentierend , dass “Silencio Roto ein heftiges Klopfen, eine Aufruf an die Gesellschaft ist, damit sie das Leiden der Frau versteht, nicht allein in den Konzentrationslagern und der anschließenden Repression- obwohl das das Anfangsmotiv war- sondern der wahrhaftig herzzerreißende Schrei der Frau als menschliches Wesen, die schon immer doppelt hatte kämpfen müssen als der Mann, um gehört zu werden. Es sind Zeugnisse von Personen, die schreckliche Situationen erlebten. Ich versuchte, der Anekdote zu entfliehen, versuchte, mehr den soziologischen Aspekt der vorhergehenden Repression zu vertiefen - verschwiegen und schrecklich - als die punktuelle und schmerzhafte Tatsache  der Misshandlung und Quälerei in den Gefangenenlagern.”

Die von Romeu gesammelten Lebenszeugnisse stammen von Frauen, die in den Konzentrationslager litten, nicht nur in der unmittelbaren Periode, die dem Guerra Civil folgte, sondern auch in den nachfolgenden Jahren.

“Es ging nicht darum, bedeutende Personen mit Ämtern oder Politischer Bedeutung zu nehmen,” sagt Romeu weiter, “sondern anonyme Personen, die etwas schlimmeres als die Tortur erlitten, was nämlich die Repression und die Stille war, nicht nur für sie selbst als Gefangene, sondern für die, welche eingesperrt blieben. Sie kämpften im Untergrund und litten durch die doppelte Kondition als menschliches Wesen und als Frau.”

Am Ende kommentiert Romeu, dass das Buch versucht, nicht den Haß oder die Vergeltung hervorzuholen: “Genau im Gegenteil, es ging mir darum, den Frauen im weitesten Sinne die Notwendigkeit bewusst zu machen, dass wir damit weitermachen müssen, unseren Raum als menschliche Wesen wie auch als Frauen einzufordern. In diesen Zeugnissen geben sie uns ein Beispiel an Mut, Wert und Würde. Dies war die Absicht des Buches, und wenn jemand sich identifiziert fühlt mit ihm, macht es mich zufrieden,” sagt sie abschließend.